Muss mein Opa noch zum Zahnarzt?

Zahngesundheit und Lebensqualität im Alter

Wir sprechen in unserer Gesellschaft viel zu wenig über die richtige – und dabei so wichtige – Zahnpflege im fortgeschrittenen Alter. Ältere Patienten oder deren Angehörige denken häufig, die Zähne seien im Alter eben „so, wie sie sind“. Termine werden nur noch dann vereinbart, wenn ein Problem akut auftritt. Unausgesprochen steht dann beim größeren Behandlungsaufwand die Frage im Raum: „Lohnt sich das noch?“

Die klare Antwort lautet: Ja! Gerade jetzt. Denn ein gesunder Mund und funktionierende Zähne sind eine Voraussetzung dafür, dass wir mit hoher Lebensqualität altern.

Was passiert im Mund mit den Jahren?

Das Altern geht auch an unseren Zähnen und dem Zahnhalteapparat nicht spurlos vorbei. Über die Jahrzehnte baut sich der schützende Zahnschmelz natürlich ab, wird dünner und verliert an Widerstandskraft. Gleichzeitig verändert sich das Gewebe: Das Zahnfleisch zieht sich – oft noch verstärkt durch eine chronische Parodontitis – zurück, wodurch die Zahnhälse und die Zahnwurzelbereiche freigelegt werden.

Diese freiliegenden Zonen besitzen keinen schützenden Zahnschmelz. Die Oberfläche besteht aus dünnem Wurzelzement und darunterliegendem Denttin, die deutlich weniger widerstandsfähig sind. Wenn nun durch die Nahrung Säuren zugeführt werden oder Bakterien den Zucker aus der Nahrung in Säure umwandeln, kommt es zu einer kritischen Verschiebung des biologischen Gleichgewichts.

Schon minimale Veränderungen des pH-Wertes genügen, um diese schleichende Entmineralisierung dieser ungeschützten Zonen einzuleiten. Das Risiko für die Wurzelkaries steigt deshalb im Alter drastisch an.

Gute Gründe, weshalb der Zahnarztbesuch im Alter wichtiger ist denn je:

1. Der Verlust des natürlichen Speichel-Puffers (Xerostomie)

Im Alter wird der Speichel oftmals durch Medikamente weniger (z. B. gegen Bluthochdruck, Allergien oder Schlafprobleme) und auch das Durstgefühl lässt nach. Doch die Evolution hat den Speichel als natürliches Schutz- und Puffersystem eingerichtet. Er neutralisiert Säuren, spült Speisereste weg und remineralisiert die Zähne. Allerdings ist dieses System biologisch auf die Lebensumstände unserer Vorfahren ausgelegt, die eine deutlich kürzere Lebenserwartung hatten und in deren Lebenswelt süße und klebrige Kohlenhydrate kaum verfügbar waren. Wenn im Alter die Speichelproduktion versiegt, benötigt der Körper Stunden, um das Milieu in der Mundhöhle wieder zu neutralisieren. In dieser Zeit findet bereits eine Entmineralisierung, also ein Herauslösen von Mineralien aus der Zahnhartsubstanz, statt.


2. Süße Ernährungsgewohnheiten

Der Geschmackssinn verlagert sich im Alter häufig hin zu Süßem. Das tägliche Stück Kuchen, der Bienenstich am Nachmittag oder der großzügig gesüßte Kaffee sind liebgewonnene Rituale. In Pflegeeinrichtungen oder auch im häuslichen Alltag verbleiben Reste dieser klebrigen Teigwaren über Stunden im Mund und bilden dort einen permanenten Nährboden für Karies und Bakterien.


3. Nachlassende Mundpflege

Wenn die Sehkraft nachlässt oder die Feinmotorik durch Krankheiten wie Rheuma oder Arthrose eingeschränkt wird, leidet auch die Gründlichkeit der Zahnpflege. Die wichtige Reinigung der Zahnzwischenräume wird zu mühsam und das Putzen dauert vielleicht noch 30 Sekunden.


4. Zahnverlust und die Folgen

Wenn die Wurzelkaries oder die Parodontitis (die Entzündung des Zahnbettes) nicht frühzeitig gestoppt wird, droht der Zahnverlust. Unsere Zahnwurzel hat die biologische Aufgabe, den Kieferknochen durch Kaubelastung zu stimulieren. Fällt diese Stimulation weg, baut sich der Kieferknochen an dieser Stelle rasch ab und der Kiefer verliert häufig bereits in den ersten drei Monaten nach einer Zahnentfernung einen erheblichen Teil seiner Breite – bis zu 50% im ersten Jahr.


Besonders für ältere Menschen ist das problematisch:

  • Feste, faserige oder harte Lebensmittel (Vollkornbrot, Rohkost, Fleisch) können nicht mehr richtig zerkaut werden. Die Betroffenen bevorzugen dann weiche, pürierte und nicht selten zuckerhaltige Nahrung. Dadurch drohen Eiweiß- und Vitaminmangel sowie ungewollter Gewichtsverlust und Muskelabbau.

  • Wenn der Kieferknochen erst einmal flach geworden ist, schwindet das natürliche Relief, das für die Saugwirkung einer Prothese notwendig ist. Eine Prothese, die jahrelang perfekt saß, beginnt nun vielleicht zu wackeln, verursacht schmerzhafte Druckstellen und erschwert das Sprechen und Essen.

Zahnpflege im Alter. Kleine Hilfen im Alltag:

Nachlassende Motorik

Wechsel auf eine elektrische Zahnbürste mit rundem, oszillierendem Kopf. Der Bürstenkopf übernimmt die Putzbewegung, der Patient muss ihn nur noch führen. Bei Handzahnbürsten eignen sich Modelle mit ergonomisch verdicktem Griff (alternativ mit Schaumstoff oder einer Fahrradgriffhülle modifizieren).


Reinigung der Zwischenräume

Verwendung von Interdentalbürstchen, solange es die Feinmotorik erlaubt. Die genaue Größe sollte in der Praxis individuell ausgemessen werden, um Verletzungen des Zahnfleisches zu vermeiden.


Akute Mundtrockenheit

Konsequentes Bereitstellen einer Tagesration Wasser (keine Säfte, Softdrinks oder Wein). Zuckerfreie Kaugummis und zuckerfreie Bonbons regen den Speichelfluss mechanisch an. In schweren Fällen helfen fluoridhaltige Mundspüllösungen oder Speichelersatzmittel (Xerostomie-Sprays) aus der Apotheke.


Pflege von Zahnersatz

Herausnehmbaren Zahnersatz täglich außerhalb des Mundes mechanisch reinigen: unter fließendem Wasser mit einer speziellen Prothesenbürste und Prothesenzahnpasta (oder einem Tropfen mildem Spülmittel. Keine normale (abrasive) Zahnpasta verwenden, da sie die Prothesenoberfläche aufrauen kann. Reinigungstabletten können ergänzend genutzt werden, ersetzen aber nicht die mechanische Reinigung. Für eine Tiefenreinigung empfiehlt sich die Nutzung von Ultraschallreinigungsgeräten für zu Hause..

Fluorid für die richtige Zahnpflege im Alter

Gerade bei freiliegenden Zahnhälsen ist Fluorid der wichtigste Schutz vor Karies. Neben der täglichen fluoridhaltigen Zahnpasta ist im Alter, die häusliche Anwendung von höher dosierten Fluoridzahnpasten oder das ein- bis zweimal wöchentliche Auftragen eines Fluoridgels sinnvoll. In der Praxis unterstützen wir dies durch das gezielte Auftragen hochkonzentrierter Fluoridlacke.

Zahnersatz und Implantate im hohen Alter

Grundsätzlich gilt: Das Alter allein ist heute kein Ausschlusskriterium mehr für moderne Behandlungen wie Implantate, Kronen oder Brücken. Hochbetagte Menschen können und sollten, sofern für sie körperlich möglich, dieselbe hochwertige Versorgung erhalten wie jüngere Patienten.


Entscheidend für gesunde Zähne im Alter sind hier jedoch ein paar wichtige Faktoren, die wir bei Ihrem Zahnarztbesuch mit Ihnen prüfen:

  • Der allgemeine Zustand und das Volumen des Kieferknochens.
  • Die Allgemeingesundheit (z. B. ein gut eingestellter Diabetes mellitus oder Osteoporose).
  • Die regelmäßige Einnahme von Medikamenten (z. B. Blutverdünner oder Bisphosphonate, welche die Knochenheilung beeinflussen).

Hierzu halten wir ggf. auch Rücksprache mit dem behandelnden Hausarzt.

Die richtige Zahnbehandlung im Alter hat die Zukunft immer im Blick

Ein wesentlicher Aspekt bei der Planung von Zahnbehandlungen im Alter ist die Frage der langfristigen Pflege. Ein Implantat oder eine Brücke, die im Moment des Einsetzens wunderbar funktioniert, benötigt auch in den Folgejahren viel Pflege. Wenn absehbar ist, dass die Motorik nachlässt und später eventuell keine ausreichende Unterstützung bei der Pflege gewährleistet ist, kann eine solidere, einfacher zu reinigende Versorgung manchmal die medizinisch klügere Entscheidung sein. Es ist daher bei der geriatrischen Zahnmedizin besonders wichtig, größere, belastende Umstellungen im hohen Alter vermeiden und stattdessen rechtzeitig stabile Verhältnisse zu schaffen.

Wenn Angehörige die Zahnpflege im Alter übernehmen müssen: Ein Appell an die Familie

Es kommt der Punkt, an dem die Eigenverantwortung nachlässt. Sei es durch körperliche Gebrechen oder eine demenzielle Erkrankung. Dies ist auch die typische Phase, in der die Zahngesundheit in vielen Familien unbemerkt wegbricht. Aus falscher Rücksichtnahme werden die Kontrollen beim Zahnarzt ausgesetzt.

Doch besonders für ältere Menschen, insbesondere für Patienten mit Demenz, die Schmerzen oft nicht mehr artikulieren können oder den Mund nicht mehr weit öffnen möchten, werden zahnärztliche Eingriffe im fortgeschrittenen Stadium zu einer enormen Belastung. Schlimmstenfalls enden vernachlässigte Befunde in unumgänglichen Sanierungen unter Vollnarkose in einer Fachklinik.


Was Angehörige konkret tun können:

  1. Hinschauen. Auch wenn der Mundbereich zur Intimsphäre gehört: Sehen Sie sich die Mundhöhle Ihrer älteren Angehörigen an und achten Sie auch auf den Geruch. Liegt die Prothese seit Tagen ungenutzt im Glas, weil sie eventuell drückt und Schmerzen verursacht? Vereinbaren Sie regelmäßige Termine zur Kontrolle und Zahnreinigung beim Zahnarzt.
  2. Mundhygiene unterstützen. Begleiten Sie ggf. persönlich die Mundpflege und fordern Sie diese auch beim Pflegepersonal ein. Eine adäquate Mundhygiene gehört zwingend zu jeder professionellen und würdevollen Pflege.
  3. Das Vorsorge-Intervall anpassen. Bringen Sie Ihren Angehörigen je nach Einschätzung Ihres Zahnarztes halb- oder vierteljährlich für eine schmerzfreie, kurze Prophylaxesitzung in die Praxis. Die wichtigste Regel ist: Man geht zur Vorsorge, bevor die Probleme auftauchen und wartet besonders bei älteren Menschen nicht ab, bis komplexe Probleme entstehen.

Individuelle Vorsorge bemessen. Der Plaque-Index.

Wie oft ein Besuch in der Breisgaupraxis sinnvoll ist, entscheiden wir nicht pauschal nach dem Geburtsdatum, sondern anhand der realen Risikofaktoren. Ein verlässlicher Gradmesser hierfür ist der sogenannte Plaque-Index. Dabei werden verbliebene Zahnbeläge in der Praxis harmlos eingefärbt. So können wir exakt visualisieren und bemessen, wie gut der Patient (oder das Pflegepersonal) die Zähne tatsächlich noch reinigt.

Aus diesem Wert leiten wir den Unterstützungsbedarf ab. Bei guter Pflege reicht in der Regel eine halbjährliche Kontrolle. Bei hohem Risiko, Mundtrockenheit oder nachlassender Motorik stellen wir die Patienten auf ein 3- bis 4-monatiges Intervall um.

Gut zu wissen: Viele gesetzliche Krankenkassen haben die Bedeutung dieses Themas erkannt und bieten im Rahmen der geriatrischen Zahnheilkunde spezielle Unterstützungsprogramme für pflegebedürftige Menschen an. Informieren Sie sich dazu bei Ihrer Kasse.

Fazit der Breisgaupraxis zur Zahnpflege im Alter

Wer im Alter konsequent an der Vorsorge dranbleibt, sie bedarfsgerecht erweitert, auf die Ernährung achtet und frühzeitig Unterstützung sucht, tut viel dafür, seine eigenen Zähne oder seinen Zahnersatz bis ins hohe Alter schmerzfrei und funktional erhalten. Dabei geht es um nicht weniger als um Würde und Lebensqualität. Darum, auch mit achtzig oder neunzig Jahren gerne mit Freunden zu lachen und schmerzfrei Essen zu genießen.

Wir wissen, dass es Mühe macht, ältere Menschen in die Praxis zu fahren und das solch eine Reise für einen betagten Menschen aufwändig und schwierig sein kann. Aber diese regelmäßige Prophylaxe bewahrt Ihre Angehörigen vor größeren und psychisch belastenden Behandlungen im Ernstfall.

Vereinbaren Sie gerne einen Termin für sich selbst oder Ihre Angehörigen in der Breisgaupraxis. Wir nehmen uns Zeit für Sie!

Experte für Zahnmedizin Dr. Peter Hakes

Ihr Experte für Zahnmedizin Dr. Peter Hakes

Dr. Peter Hakes teilt mit seiner Frau Dr. Petra Hakes die Leidenschaft zur Zahnmedizin. Schon im Zahnmedizinstudium faszinierte ihn die Chirurgie. Eine Faszination, die er nach dem Staatsexamen 2006 und der Promotion in seiner Assistenzzeit vertiefte, und sich bei sehr erfahrenen Kollegen ein fundiertes chirurgisches Wissen erarbeitete. Dr. Peter Hakes absolvierte das Masterstudium der Parodontologie und periimplantären Therapie und ist Mitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie e. V.